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WALDWIRTSCHAFT - WALDBESITZ - ÖFFENTLICHES GUT? 

WIE IST DAS DILEMMA WIRTSCHAFT VERSUS KLIMASCHUTZ ZU LÖSEN?

Lösungen für das Stehenlassen der Bäume

Foggy Forest

CO2 ZERTIFIKATE AUF WÄLDER 

CO2-Emissionszertifikate können Probleme lösen. Aber Vorsicht beim Aufsetzen von Regeln, denn schnell entstehen dabei Monokulturen. Die meisten Aufforstungsprojekte sind Greenwashing, denn sie werden doppelt gezählt (siehe greenwashing). Gute Bio-Diversität heisst aber Artenvielfalt und diese verlangt mehr als Mischwälder unterschiedlichster Altersstruktur. Sie verlangt Wildnis. Die Idee dahinter: Man lässt den Wald in Ruhe wachsen. Der Wald regelt sich selbst. Die Bäume tun das, was sie immer machen: sie wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um. Schlägt die Forst nun kein Holz mehr, gibt es aber keine Einnahmen für die Waldbesitzer und deren Bewirtschafter. Wer entschädigt die Waldbesitzer und die Forstwirtschaft für das Stehenlassen der Bäume? Dies könnte nach dem Vorbild Neuseelands z.B. über CO2-Emissionszertifikate umgesetzt werden. Dort erhält der Waldbesitzer im Rahmen des vereinbarten CO2-Handelssystems eine Vergütung für ihre Klimaschutzleistungen und für das Schlagen von Holz wird mit einer CO2 Steuer belastet.

In der Schweiz zählen die Privatwälder - das ist die Mehrheit unserer Wälder - zur NDC (National Determined Contribution), d.h. zu unserer nationalen CO2-Landesbilanz. Der Staat verrechnet also seinen CO2 Ausstoss mit unseren Wäldern, die bei uns im Privatbesitz sind. Der Waldbesitzer ist sozusagen "enteignet" worden, denn er kann seinen Wald nicht zur Wildnis werden lassen und diesen zur Produktion von CO2-Zertifikaten nutzen. (Link) Täte er das doch, würde das CO2 doppelt gezählt: einmal vom Waldbesitzer und einmal vom Staat - dies wäre Betrug. Will der Waldbesitzer den Wald als Wildnis nutzen, müsste der Staat also auf diese Waldparzelle verzichten, d.h. sie aus der NDC ausklammern. Nach Eigentumsrecht sollte dem Besitzer diese Entscheidung zustehen, ob er gegen Geld Klimaschutz betreibt oder ob er den Wald weiterhin der Holzwirtschaft zur Verfügung stellt, was ihm - je nach Parzelle/Baum/Zustand/FM-Preis - mehr oder weniger Einnahmen bringt. Viele Waldbesitzer sind am Klagen: "Am Weltmarkt geht der Holzpreis durch die Decke, aber ich bekomme davon nichts". Die grossen Margen stecken die Holzhandelskonzerne und Exporteure ein. Der Carbon-Markt wäre eine lukrative Alternative für den Waldbesitzer, denn die Dienstleistung, die ein intaktes Ökosystem für uns alle leistet, ist sehr viel wert und wird künftig immer wertvoller. Wir sind ans Limit gelangt, was der Planet an Ressourcenentnahmen verträgt. Die Menschheit hat die Ressourcen, welche die Natur in einem Jahr wiederherstellen kann, in 2020 in knapp acht Monaten bereits verbraucht. D.h. wir nutzen die Natur 1,6 mal schneller als Ökosysteme sich regenerieren können. (Ressourcen-Budget).

 

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Bild: Tolle Aktion der Bevölkerung, macht Spass und ist gut zum Lernen - aber diese Baumpflanzungen sind leider nicht zusätzlich. Die Forstwirtschaft hätte diese kahlen Waldflächen sowieso per Gesetz aufforsten müssen. 

Baumprojekte und Greenwashing

Die Form der Landnutzung spielt für das lokale Klima daher eine bedeutende Rolle. Wald kühlt, Wald gleicht das Klima aus, Wald ist ein Wasserspeicher und Wald bindet Kohlenstoff (Carbon). Für die letzte Leistung des Baumes gibt es also den "Carbon Markt" mit ihren "voluntary" (freiwilligen) CO2-Zertifkaten. Warum spreche ich immer von Wildnis? Aus einem Grund: Wenn neue Baumpflanzungen wieder als Pellets verbrannt werden, als Textilien (Viscose) auf Mülldeponien landen oder als aus der Mode gekommene Möbelstücke entsorgt werden - gibt es lediglich nur eine Verschiebung der Treibhausgasfreisetzung um ein paar Jahre oder Jahrzehnte. Zum Schluss landet das ganze Treibhausgas - sogar noch mehr wegen Düngung, Transport und Verarbeitung - wieder in der Atmosphäre. Diese forstwirtschaftlichen Projekte haben alle keine Permanence. Viele Projekte im Ausland kann man kaum überprüfen, ob die Bäume noch in 5 oder 10 Jahren stehen oder ob sie überhaupt gepflanzt wurden oder dort zum nationalen Wald und zur NDC dazu gezählt werden. Der Forstwirtschaft fehlt vor allem ein grosse Aspekt: die konventionelle Forstindustrie förderte keine Bio-Diversität. Sie brachte in vielen Ländern oft nur kranke, instabile Monokulturen und Waldbodenschäden hervor. Sie lies die Vielfalt auf und vor allem im Boden verschwinden. Eine oder zwei Baumarten auswechseln, bringt keine Vielfalt im Wald.

 

CO2-Zertifikate darf es nur für einen wirklichen Treibhausgasabbau aus der Atmosphäre geben. Damit das überhaupt geschieht, müssen die Baumpflanzungsprojekte im wesentlichen 4 Kriterien erfüllen: Die Projekte müssen real, zusätzlich, zertifiziert (wissenschaftlich/unabhängig) und permanent sein und bei Kompensationsgeschäften noch zusätzlich aus der Nationally determined contributions (NDC) ausgegliedert werden (da sonst eine Doppelzählung erfolgt; der Wald ist bereits im Treibhausgasinventar des Landes verrechnet worden). Viele Projekte bewegen sich leider im greenwashing.

 

Das Thema ist sehr komplex. Baumpflanzungsprojekte, Emissionszertifikate und  "greenwashing" und "impactwashing" bekommt demnächst eine eigene Seite.

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ENTSCHÄDIGUNG DER WALDBESITZER AUS EINEM "KLIMAFOND"

Die CO2-Steuer ist eine Umweltsteuer auf Treibhausgase. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen geleistet werden. Der Fond wird durch diese Gelder finanziert. Beispielsweise eine CO2 Steuer auf Kerosin. Alle Emissionen müssen besteuert werden (no free pollution!). Dazu gehört auch die industrielle Holzentnahme aus den Wäldern.

 

Unser pro Kopf CO2 Verbrauch beträgt ca. 12 Tonnen (inkl. der "grauen Energie", d.h. Einberechnung aller eingesetzten Energien von der Rohstoffgewinnung, des Transports bis zur Abfallbeseitigung unseres Konsums). Unsere Treibhausgas-Verschmutzung ist im Pro-Kopf-Ländervergleich damit sehr hoch. Reist eine vierköpfige Familie mit dem Flugzeug von Zürich in die Türkei, verursacht dies rund 2.7 Tonnen CO2-Ausstoß. Die CO2 Tonnen werden nun besteuert. Wer erste Klasse fliegt, zahlt deutlich mehr. Auch ein Kleinauto für Familieneinkäufe verbraucht pro Jahr 2.7 Tonnen CO2. Verbraucher können die CO2 Steuer durch Verhaltensänderungen aus dem Weg gehen. Aber die verursachte Verschmutzung hat nun einen Preis. Der Baum bekommt einen "Existenzwert" für seine wertvollen Dienstleistungen. Diese sind wesentlich höher zu bewerten als sein Holzpreis.

Das Geld der Umweltsteuer (aus dem Klimafond) entschädigt die Waldbesitzer fürs Stehenlassen der Bäume und gleicht damit ihre materiellen Verluste aus. Das Verbrennen von Holz zur Energiegewinnung sollte verboten werden. Das Verwenden von Holz muss in die CO2 Absorptionslücke mit einberechnet und entschädigt werden. 

Effektiver Klimaschutz heisst massive Aufforstung, mehr Wildnis und massgebliche Reduktion der Durchforstungsquote. Industrielle Pellets oder Brennholz als Heizmaterial sind klimaschädlicher als andere Energiestoffe, da Holz nicht CO2 neutral ist. Das muss verboten werden. Klimaschutz fordert eine Reduktion des generellen Holzkonsums (Verpackungen, Wegwerf-Artikel, Einmalpapier, Pellets, Brennholz). “Bauen mit Holz” für Architekten ist lediglich ein neuer Absatzmarkt der Holzindustrie. Aber auch dort entsteht allein durch die Entnahme der Biomasse eine CO2 Lücke im Abbau von Treihausgasen und es gibt nur eine zeitliche Verschiebung, bis das CO2 wieder in der Atmosphäre landet. Also selbst Möbelstücke aus Holz müssen nachhaltiger und wesentlich langlebiger werden, sonst schauen wir in eine düstere Zukunft. Hier muss die CO2 Steuer auf Holz ansetzen.

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MEHR GERECHTIGKEIT UND FAIRE MARKTWIRTSCHAFT

Ein Senken der Fördergelder für fossile Energieträger (Erdöl/Gas) ist wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll (ETH). Aber immer noch werden weltweit hunderte Milliarden USD (IEA) in Subventionen fossiler Brennstoffe gesteckt. Die Schweiz erhebt eine Steuer auf Mineralöl, wodurch sie 6 Milliarden Franken einnimmt. Auf alles was Emissionen (inkl. Holz) verursacht, sollte eine Steuer erhoben werden. Diese Gelder müssen nur in die richtige Richtung gelenkt werden, zur Erhaltung einer lebenswerten Welt.

Die Schweiz braucht eine strengere "Public Policy" für alle Holzimporte und Holzprodukte. Anti-Logging-Gesetze müssen wirklich durchgesetzt werden. Hölzer und Holzprodukte dürfen nur importiert werden, wenn die Herkunft des Rohmaterials vollständig deklariert ist und dessen Stationen lückenlos zurückverfolgbar sind.

Es werden Kontrollmechanismen und durchgreifende Bestrafung von Betrügereien und anderen Formen des  "green washing" benötigt. Da den Unternehmen die intrinsische Motivation für aktiven Umweltschutz fehlt, da sie als System mit fehlender Management-Haftung nur auf Gewinnmaximierung und Wachstum ausgerichtet sind (shareholder value).

Wissenschaftlich basierte und KONTROLLIERTE überwachte Umweltzertifizierungsprogramme, die uns Verbraucher transparent informieren und Kaufentscheidungen beeinflussen.

Klimaschutz fängt lokal an und stoppt nicht an der Landesgrenze. Klimafragen sind global. Sie fordern eine aktive Rolle an Programmen und Massnahmen, so dass arme Nationen und Gemeinden für die Erhaltung ihrer Wälder Unterstützung erhalten. 

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Ökosysteme

Naturbasierte Lösungen - basierend auf wissenschaftliche Berechnungen/Messungen - haben zur Bekämpfung des Klimawandels derzeit eine erhebliche politische Wirkung. Neben CO2 Reduktionsmassnahmen und technischen Innovationen, die gar kein CO2 imitieren, sind naturbasierte Lösungen das einzige Mittel, was effektiv CO2 reduziert und die klimatischen Verhältnisse verbessert. Dies alleine ist ein extrem wichtiger Teil, um die globale Erhitzung und weiteren Folgeschäden an der Biomasse zu stoppen. Allein wer im Wald an Hitzetagen spazieren geht, weiss, dass es dort viel angenehmer ist als in den asphaltierten Städten. Heute kann man den Effekt positiver und negativer Klimawirkungen wissenschaftlich berechnen und Massnahmen benennen.  (link)

Wie kann man die Vorteile der Natur schützen und nutzen - der evidenzbasierten Ansatz zeigt auch der Schweiz den Weg.

"Include us in decisions. It's not about us without us."